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Belgrad

Belgrad, die weiße Stadt, hat in ihrer Geschichte viel erlebt. Immer wieder wechselte die Stadt ihre Besitzer, von der keltischen Vorzeit, bis zum Sturz von Slobodan Milosevic im Jahr 2000. Jedes Volk, das seinen Fuß auf ihren Boden setzte, gab Belgrad seinen eigenen Namen. Die Byzantiner nannten sie Singidon, dann Veligradon, die Gelehrten Alba Graeca und Alba Bulgarica, die Italiener Bello Grado, die Ungarn Nandorfehervar und Landorfehervar und die Deutschen Griechisch Weißenburg.

Im ersten Jahrhundert eroberten die Römer die Stadt und nannten sie Singidunum. Strategisch wichtig war sie vor allem durch ihre Grenzlage an der Donau. In der Völkerwanderungszeit wurde sie verwüstet und ging von da ab in den Besitz der Slawen, der Byzantiner, Ungarn und ab 1403 der Serben über. Das 15. Jahrhundert war die Blütezeit Belgrads. Als Sitz des serbischen Despoten Stefan Lazarevic wurde die Festung erneuert und vergrößert, das Schloß gebaut und der Hafen erweitert. 1521 wurde die Stadt von den Türken erobert und ging erst 1867 nach mehreren Revolutionen wieder in serbischen Besitz über.

Nicht mehr viel ist von der türkischen Besatzungszeit erhalten. Gebäude aus dieser Zeit, aus dem Mittelalter und Reste aus der Antike kann man noch im Stadtteil Stari Grad erkunden. Dort befindet sich auch der historische Kern aus dem 19. Jahrhundert, als Belgrad zur Hauptstadt des Fürstentums Serbien wurde. Auch bei einer Erkundung des weiten Festungsareals auf dem Burgberg kann man sich einen Überblick über die Baustile der vergangenen Epochen verschaffen. Innerhalb ihrer gewaltigen Mauern befinden sich zudem mehrere Kirchen und Museen, eine Kunstgalerie und ein Zoo. Seinen Namen hat Belgrad wahrscheinlich von den Mauern dieser Festung, die aus hellem Kalkstein erbaut waren.

Belgrads Architektur aus dem 20. Jahrhundert ist einzigartig. Vor allem Emigranten aus Russland prägten die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der zweiten Hälfte wurde, ganz im Gegensatz zum Rest Osteuropas, nicht mit Stalins Zuckerbäcker-Stil gebaut – sondern im westlichen späten Internationalen Stil Corbusiers, dem Brutalismus. Statt der Ödnis sozialistischer Plattenbauten zeichnet sich die Moderne in Belgrad stets durch eine individuelle Handschrift aus. Gebäude wie der Genex-Turm und die monumentalen Wohnlandschaften Neu-Belgrads zählen zu den herausragenden Beispielen hierfür.

Viele einzigartige Museen befinden sich in Belgrad: Das Nikola-Tesla-Museum, das Museum Afrikanischer Kunst, das Ethnografische Museum und das Luftfahrtmuseum. Wer will, kann sich auf einen Retro-Grusel-Trip der ganz besonderen Art begeben: an Bord von Titos Luxuszug können Rundfahrten durch die Stadt unternommen werden, oder man besichtigt das Museum des 25. Mai in der ehemaligen "verbotenen Stadt", das voll und ganz der Person Titos gewidmet ist. Der "Staatsmann mit den meisten Orden" ist - nicht nur wegen des vielen Blechs am Sacko - immer noch ein Besuchermagnet.

Belgrad hat ein reges Nachtleben. Doch auch am Tage sind die zahlreichen alten Cafés und Restaurants auf der Skadar-Straße einen Besuch wert. Viele von ihnen stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende, und ähnlich wie in Wien hat sich auch hier eine ganz eigene Kultur um die Kafanas, wie die Cafés hier heißen, entwickelt. Eine der ältesten Kafanas ist das Znak pitanja. Hier kann man in Ruhe einen Turska Kafa genießen und die reich bemalten Fassaden der Häuser bewundern.

In den Restaurants findet man die typische Balkan-Küche. Böhmische, türkische, ungarische und natürlich serbische Rezepte feiern hier ein friedliches Stelldichein, während vor allem im Viertel Skardarlija noch die Starogradska muzika erklingt. Wem es also nach Cevapcici, Ajvar, Palatschinken oder der Belgrader Mandeltorte (torta od badema) ist, der sollte sich ruhig zu einem Abstecher hinreißen lassen - und zum Abschluß das Glas Slibowitz nicht vergessen. Der serbische Pflaumenschnaps darf hier bei keinem Festmahl fehlen. Aber aufpassen: der Slibowitz ist eines der härtesten alkoholischen Getränke überhaupt.