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Bratislava

Gerade einmal 60 Kilometer trennen Bratislava von Wien. Beim Gang über die Stadtgrenze stellt sich vor allem eine Frage: Landet man in Österreich oder in Ungarn? Denn Bratislava ist die einzige Hauptstadt, die gleich an mehrere Nachbarstaaten grenzt. Bei einer derart intensiven Beziehung zu seinen Nachbarn könnte man ein etwas neurotisches Nationalgefühl erwarten. Immerhin war Pressburg jahrhundertelang eine deutsche Stadt im Königreich Ungarn, in der die Slowaken nur eine kleine Minderheit stellten. Und ob man es glaubt oder nicht: Nach der Umbenennung 1919 trug die Stadt für einen Monat den Namen Bratislav – bevor die neuen Herren in Prag sich belehren ließen, dass das die tschechische Form des Namens ist.

Doch in Bratislava und in der gesamten Slowakei schlagen die Uhren in einem andern Takt. Die sprichwörtliche Ruhe und die Herzlichkeit der Einwohner ziehen einen in Ihren Bann. Die Unabhängigkeit 1993 und die Öffnung nach Westen hat in anderen Bereichen aber auch Veränderungen gebracht. Man spricht wieder Deutsch – und erst recht Englisch – und hat sich einiges abgeschaut. Es gibt wieder eine Kaffeehauskultur wie zu k&k-Zeiten, die reiche Architektur hat einen neuen Putz bekommen – und die Preise haben seit der Wende natürlich auch etwas angezogen.

Die Geschichte Bratislavas ist typisch für die Donau-Region: einst ein Oppidum der keltischen Boier, die auch Böhmen seinen Namen gaben, dann ein Römerkastell am Limes, dann mittelalterliche Burg und schließlich, nach dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert, die Entwicklung zu einer vor allem von deutschen Ostsiedlern bewohnten Stadt. Die Türkeninvasion machte Preßburg für 200 Jahre zur ungarischen Hauptstadt, 1919 folgte die Eingliederung in die Tschechoslowakei. Die Unabhängigkeit kam erst vor 20 Jahren nach einer Volksabstimmung zum 1. Januar 1993.

Bratislava geizt wirklich nicht mit seinen Schätzen: Im Zentrum erhebt sich majestätisch die in den 1960er Jahren restaurierte Preßburg mit ihren vier im Quadrat aufragenden Türmen auf dem steil aufragenden Burgberg. Direkt unterhalb ihrer Mauern beherrscht der Martinsdom das Bild der Altstadt. In ihm wurden jahrhundertelang die ungarischen Könige gekrönt. Geht man weiter donauabwärts, gelangt man zum Hauptplatz, dem Zentrum der Altstadt. Hier steht das im 14. Jahrhundert erbaute Rathaus mit seinem barock umgebauten Turm. Gegenüber, im „Kaffé Mayer“, lohnt es sich einmal auszuspannen, während man die wundervolle Architektur des Platzes auf sich wirken lässt. In der Mitte des Platzes ragt der Maximiliansbrunnen empor. Ihn umringen das Roland-Palais, das Palugyay-Palais, das Esterhazy-Palais und das Statthalterpalais. Überall in der Staré Mesto findet man weitere dieser beeindruckenden Palaisbauten.

Verlässt man den Hauptplatz Richtung Osten, gelangt man zu einer Kirche, wie man sie nur hier finden kann: die St.-Elisabeth-Kirche oder „Blaue Kirche“, ein fremdartig anmutender Jugendstilbau. Kirchen hat Bratislava indes noch einige zu bieten, außerdem noch eine Synagoge aus der Moderne. Daneben gibt es zwei weitere Burgen im Stadtgebiet, die Burgruine Devin und die Karlburg (Kaštiel v Rusovciach) im Stadtteil Rusovce. Hier befand sich einst das Römerkastell Gerulata.

Wer es etwas lebendiger mag, den laden die Ufer der Donau mit dem Aupark zum Spazieren ein, ebenso hat Bratislava einen sehenswerten Zoo mit einem recht spektakulären Dino-Park. Und natürlich, wie es sich für eine Hauptstadt gehört, findet man auch zahlreiche Museen: das Slowakische Nationalmuseum, das Naturhistorische, Städtische und Archäologische Museum und die Städtische Galerie. Auf der Neustadtseite, zu der die omnipräsente Neue Brücke (Novy most) führt, locken dagegen nur trostlose Plattensiedlungen. Zwei interessante Gebäude hat die kommunistische Episode aber doch hinterlassen: den Fernsehturm auf dem Kamzik mit einem Drehrestaurant in atemberaubender Höhe – und die kopfstehende Pyramide des slowakischen Hörfunks am Rand der Altstadt.

In Bratislava ist Ausgehen oft der einzige Reisegrund. Britische Stag-Party-Besucher haben die Stadt in den letzten Jahren überlaufen. Wenn man etwas vom Pressburger Lebensgefühl mitbekommen will, sollte man unbedingt die Cafés der Stadt besuchen. Es sich gut gehen zu lassen ist hier erste Bürgerpflicht, auch wenn die Bedienung vielleicht etwas länger braucht, als man in Deutschland gewohnt ist. Neben den typischen Cafés aus der guten alten Zeit gibt es beispielsweise auch das "Gremium", wo man sich betont modern und amerikanisch gibt.

Süßes wird auch in der Slowakei gern gegessen, und man weiß hier, wie man etwas Bezauberndes auf den Gaumen zaubert: Gugelhupf, Preßburger Kipferln, Honigkuchen, Mohnnudeln oder Pogatschen sind hier zuhause. Die Preßburger Küche hat sich von ihren Nachbarn ausgiebig inspirieren lassen. Das gilt auch für den Hauptgang: Wiener Schnitzel aus Österreich, Gulasch aus Ungarn, Piroggen aus dem Osten, Palatschinken aus Böhmen, Panierkäse vom Balkan. Preßburg ist auch ein kulinarischer Verkehrsknotenpunkt. Das gleiche gilt übrigens auch für die Getränkekarte, zu der Bier, Tokayer und Sliwowitz ebenso gehören, wie die ganz eigenen und alkoholfreien Kreationen Kofola und Vinea.