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Ruse

Allen größeren Städten an der Donau gemein ist wohl ihre Geschichte als römische Häfen. Ruse war damals als Sexaginta Prista bekannt, die Stadt der 60 Schiffe. Die römische Donauflotte musste damals auch Überstunden fahren, illegale Einwanderer trugen gern schwere Bewaffnung. Ruse wurde auch bei den späteren Invasionen der Mongolen und Türken immer wieder zerstört und unter neuem Namen wieder aufgebaut, erst als Tscherwen, dann als Rustschuk. Schließlich bürgerte sich der Name Ruse, Russe oder Rousse ein, wohl in Anspielung auf den slawischen Namen – Tscherwen bedeutet Rot.

Erst 1878 wurde Ruse von den Osmanen befreit und Teil des Fürstentums Bulgarien. Auch eine kurze rumänische Episode musste es vor 1940 erleben. Nach all den Jahren Besatzung – erst Römer, dann Türken, dann Rumänen, dann Kommunisten – zeichnet sich seit den 90er Jahren ein Aufschwung ab. Die Stadt zählt heute 180.000 Einwohner und ist damit eine der größten bulgarischen Städte – zudem hat sie einige wirtschaftliche Bedeutung als Donau-Übergang. Die „Brücke der Freundschaft“, die hier die Donau überspannt, ist die längste Stahlbrücke Europas – und einzige Brücke zwischen Rumänien und Bulgarien.

Trotz seines späten Erblühens ist Ruse reich an architektonisch interessanten Gebäuden. Besonders die Bauten der Jahrhundertwende lassen ihren Charme spielen. Die Stadt wird entsprechend gern "Klein-Wien" genannt - und das trifft. Ruse war Ende des 19. Jahrhunderts die größte Stadt Bulgariens und erlebte einen Aufschwung, der, ähnlich wie in deutschen Städten, zu einem Bauboom führte. Neben diesen bürgerlichen Wohn- und Geschäftshäusern sind dies vor allem die slawisch geprägten Kirchen, die Ruses Gesicht einen ganz besonderen Ausdruck geben. Eine derartige Mischung west- und osteuropäischer Extreme findet man wohl kein zweites Mal.

Empfehlenswerte Anlaufpunkte sind die St.-Peter-Kirche, die St.-Paul-vom-Kreuz-Kathedrale, die Armenische Kirche und die Seid-Pascha-Moschee. Daneben gibt es eine Reihe von Museen. Interessant für westlichen Geschmack sind vor allem zwei: das regionale Historische Museum mit Schätzen aus der Thrakerzeit und Funden aus der Römersiedlung und das Freilichtmuseum der Festung Sexaginta Prista auf dem Burgberg.

Die wahren Schätze von Rousse verbergen sich allerdings im Umland. Bei Iwanowo befinden sich die Felskirchen von Iwanowo mit ihren abenteuerlich in den Fels gehauenen Räumen und dem in einer Nische errichteten Kirchturm. Die Zimmer und Durchgänge sind noch fast vollständig zu besichtigen - inklusive der wunderbar erhaltenen und restaurierten Wandgemälde. Über verschlungene Pfade kann man sich einen Einblick verschaffen, wie die Mönche früherer Zeiten hier gelebt haben mögen.

Die bulgarische Küche ist sehr bäuerlich geprägt und - wen sollte es verwundern - stark von der türkischen und griechischen beeinflusst. Zu keinem Gericht darf der typische weiße Käse fehlen, der hier Sirene genannt wird. Besonders beliebt sind Eintopfgerichte - hier kommt wirklich alles in den Topf - und Gerichte aus dem Lieblingstier der Bulgaren (zumindest, wenn es nach dem Geschmack geht): dem Schaf. Im Frühjahr kommt Lamm auf den Tisch, im Herbst Hammel. Dazu isst man Gemüse, als Vorspeise gibt es einen der zahllosen auf dem Balkan verbreiteten Salate.

Eine besondere bulgarische Spezialität ist der Joghurt. Er wird hier in wahren Massen produziert. Nicht nur Kuhmilch, sondern vor allem Schafsmilch und auch Büffelmilch wird für diesen speziellen Imbiss verarbeitet. Die Produktion von Käse, Joghurt und allem anderen aus Milch hat in Bulgarien eine lange Tradition.

Zum Essen oder danach wird hier, wie auch in den anderen slawischen Balkan-Staaten, einem Obstbrand der Vorzug gegeben. In Bulgarien heißt er Rakjia und wird aus allem gewonnen, was der Obstgarten hergibt. Auch Liköre und der berühmte Pliska, ein Weinbrand, finden sich im Angebot.

Die kleine Schwester von Ruse, Zurz, oder auch rumänisch Giurgiu, befindet sich am gegenüberliegenden Donauufer. Wie Ruse stand sie bis zum 19. Jahrhundert unter türkischer Obhut. Ihre Geschichte dehnt sich aus bis zurück in die Römerzeit, als für kurze Zeit hier der Hafen Theodorapolis bestand. Lange Zeit geschah dann praktisch nichts mehr hier, bis im 14. Jahrhundert das heutige Giurgiu als St. Georg gegründet wurde – und gleich wieder an die Osmanen fiel. Berühmtheit erlangte Zurz vor allem als früherer Endpunkt des Orient-Express.