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Wien

Zu Wien müsste man eigentlich nichts mehr sagen – irgendwie hat wohl jeder sein eigenes Bild von dieser Stadt, ob er nun schon dort war oder nicht. Und trotzdem schafft sie es, einen immer wieder aufs Neue in ihren Bann zu ziehen. Wem das zu unspezifisch ist, der kann es sich seit neustem auch in Zahlen ausdrücken lassen: Vor kurzem wurde Wien zum vierten Mal in Folge zur Stadt mit dem weltweit höchsten Lebensstandard gekürt.

Ähnliches mussten die Kelten geahnt haben, als sie sich in der Vorzeit in dieser romantischen Ecke Österreichs niederließen. Umgeben von Wienerwald und Wiener Becken, am Kreuzungspunkt von Donau und Bernsteinstraße, ließ es sich schon immer gut leben, wie selbst Marc Aurel, der Philosophenkaiser, einst hier feststellte.

Vedunia – „Waldbach“ – wie die Siedlung (und der Fluss Wien) bei den Kelten hieß, lieh der heutigen Metropole ihren Namen. Bald erhob sich neben dem keltischen Ort die antike Römerstadt Vindobona. Die enge Nachbarschaft zu den Ländern der Ungarn und Slawen führte dazu, dass die Österreicher Wien als Residenzstadt wählten. Nach Bratislava, der ehemaligen ungarischen Hauptstadt Preßburg, sind es von hier aus gerade einmal 60 Kilometer.

Geschichtliche Höhepunkte bietet Wien in Fülle. Im 12. Jahrhundert wurde hier der englische König Richard Löwenherz ergriffen und zwei Jahre lang in Österreich festgehalten, was für einen Straßenräuber im Sherwood Forest einschneidende Folgen hatte. Ab 1278 herrschten hier die Habsburger, 1365 wurde die Universität Wien gegründet, ab 1556 war Wien die Hauptstadt des deutschen Kaisers. Wien war Ausgangspunkt der Gegenreformation – und damit auch wichtiger Faktor im 30-jährigen Krieg. Zweimal scheiterte hier die türkische Expansion 1529 und 1683, vor Wien entschied sich damals das Schicksal des Abendlandes.

Nach dem Rückzug der Türken blühte Wien wieder auf, Mozart, Beethoven und Schubert schrieben hier ihre Meisterwerke. Napoleon kam und ging, aber Wien blühte wieder auf und wurde zur Jahrhundertwende zum Zentrum europäischer Kunst und Wissenschaft. In Wiens Caféhäusern tummelten sich Literaten, Philosophen, Architekten, Musiker und Künstler, sodass Wien gleichzeitig sowohl Hauptstadt des Jugendstils, als auch der Psychoanalyse genannt wurde, mit Exponenten wie Sigmund Freud, Alfred Adler und dem Schriftsteller Arthur Schnitzler.

So ziemlich jeder Architekturstil der letzten 2000 Jahre hat in Wien wunderschöne Zeugnisse hinterlassen, von antiken Spuren bis zu Jugendstil und Postmoderne findet man alles in Wien, wenn man denn die Muße hat. Denn das, was Wien bietet, lässt sich nicht an einem Tag auskosten. An Kirchenbauten sind schon einmal die romanische Ruprechtskirche zu nennen, ebenso die Jesuitenkirche.

Das ultimative Wahrzeichen Wiens aber ist der Stephansdom. Ihn sollte man gesehen haben, auch wenn er etwas abseits der Museumslandschaft rund um die Hofburg liegt. Nicht nur seine Größe ist beeindruckend, auch sein eklektisches Äußeres, das etwas an die Sagrada Familia erinnert, ist einzigartig. Die vielen ausufernden Details seiner Verzierungen laden zum Betrachten ein; am Stephansplatz befinden sich außerdem sehenswerte Gebäude des Jugendstils und der Moderne und gleich um die Ecke steht das Mozarthaus mit der Wohnung des Genius. Man sollte also etwas Zeit einplanen.

Mittelpunkt der überbordenden Wiener Museumskultur ist die Kaiserliche Hofburg mit ihren zig Museen. Die berühmtesten sind die Schatzkammer, Sisi-Museum, Ephesos-Museum, Hofjagd- und Rüstkammer und das Museum für Völkerkunde. Direkt hinter der Hofburg findet man die Albertina, auswärts neben der Hofburg Kunsthistorisches und Naturhistorisches Museum. Gleich gegenüber schließt sich das Museumsquartier an, eines der größten Kunstareale der Welt. Hier finden sich Klimt, Schiele und Kokoschka neben Gegenwartskunst und –architektur und einem Museum extra für Kinder und Kleinkinder, dem Zoom.

10 Minuten gen Osten liegt das Wien Museum, das Historische Museum der Stadt Wien. Noch einmal eine Viertelstunde Fussmarsch südlich entfernt bekommt man noch mehr Klimt und Schiele geboten im Schloss Belvedere, darunter auch Klimts berühmten „Kuss“, außerdem eine Ausstellung mit den grotesken Charakterköpfen von Franz Xaver Messerschmidt.

Über die ganze Stadt verteilt findet man weitere Museen, namentlich das Sigmund Freud Museum, das Heeresgeschichtliche Museum, das Technische Museum, den Narrenturm, das Straßenbahn-, das Bestattungs- und das Kriminalmuseum, weiter das Uhrenmuseum Wien und das Römermuseum mit seinen verstreuten Zweigausstellungen. Nach soviel Kultur lockt der Prater mit seichterem Vergnügen, oder einfach nur zum Bummeln und Schauen.

Wiens Rolle als Vielvölkermetropole verdankt auch die Wiener Küche viel. Ungarisches Gulasch, Wiener Schnitzel, Tafelspitz und böhmische Knödel, Strudel, Palatschinken, aber auch Leberkäse und Starkbier warten auf den willigen Gaumen. In den Wiener Cafés kann man immer noch die Kaffeehauskultur des Fin de Siècle nachleben; Sachertorte, Apfelstrudel und Kaiserschmarren kann man nirgendwo auf der Welt authentischer genießen.

Ausgesuchte Feinschmeckerrestaurants gibt es natürlich in einer Stadt wie dieser auch. Laut Gault Millau mit Abstand das empfehlenswerteste ist das Steirereck im Stadtpark. Aber auch Mraz & Sohn, Silvio Nickol, Vincent und Bauer sind zu empfehlen. Lust an Austern mit Erdnusscreme, Wachtelei auf Polenta oder Rochenfilet sollte man aber schon haben, will man sein Wohlverdientes nicht fehlinvestieren.